Wie oft höre ich doch in meinem Umfeld, in den vielfältigsten Variationen: "Ich mag nicht mehr helfen, weil ich keinen Dank bekomme dafür und mich nur ausgenutzt fühle." Nun ich denke, gegen diesen Gedanken und dieses Gefühl ist niemand von uns gefeit.
Aber, dieses Bedürfnis nach Ausgleich, nach Balance und Begleichung der Konten hat eigentlich wenig mit dem Sinn des Gebens zu tun: Ich gebe um des Gebens Willen. Meine Befriedigung ziehe ich aus diesem Akt alleine. Es ist meine Entscheidung und meine Verantwortung und nur mir zugehörig in allen Konsequenzen. Wird meine Befriedigung und meine Zufriedenheit gestört durch das Ausbleiben oder gar eine falsche Reaktion des von mir "beschenkten" Gegenübers - dann, ja dann stimmt in meiner inneren Haltung des Gebens etwas nicht. Dann muss ich bei mir nachschauen und nicht bei dem Anderen.
Oder auch: Warum sollte ein mich verquert störendes Verhalten meines Gegenübers (z.B. Undankbarkeit) etwas an meiner doch für mich "richtig" gesetzten Verhalten/Haltung ändern? Dies habe ich noch nie verstanden.
Die andere Seite: Hilfe kann ich nicht verlangen oder fordern. Ich kann über mich, meine Situation, meine Gefühle, mein Bemühen kommunizieren. Und manchmal kann ich um Hilfe bitten. Meine Erfahrung ist, dass oft alleine dieser Schritt: sich aller Trügereien, aller Spiele, allem Schein zu entsagen und sich einem Gegenüber zu entblößen und wahrhaftig über sich zu sprechen, schon ein erster, ja vielleicht der wichtigste Schritt zur Freigabe von eigenen bisher ungenutzten Ressourcen und zur Selbsthilfe ist. Und dann kann Hilfe auch angenommen werden. Ohne Schuld und ohne Berechnungen. In der gleichen inneren Haltung wie das Geben kann dann auch das Nehmen geschehen. Beides für sich ein letztendlich wunderschönes Gefühl.
Ohne hier in die sicher nicht so einfach konsensfähige Definition eines verbindlichen Altruismusbegriffes einsteigen zu wollen (ein im philosophischen und soziologischen Diskurs gewachsener und dementsprechend vielfältigen "Schulen" verhafteter Begriff) verbinde ich mit der Haltung der Selbstlosigkeit sowohl Freiwilligkeit, Wohlwollen als auch Gestaltung und Wachsen des Selbst.
Auf einer anderen Ebene beinhaltet die subjektive Erkenntnis, und die sich daraus ergebende Maxime des eigenen Handelns, dass das Wohl Aller eng verknüpft mit meinem eigene Wohle ist, natürlich einen egoistischen Aspekt. Für mich besteht darin allerdings kein Widerspruch, da ich mich nicht einem moralischen Altruismus mit seinem Sendungsbewusstsein (und der damit oft einhergehenden Vorwürflichkeit bezüglich des Eigennutzes) verbunden fühle.
Anders: Wissend um die synergetische Verbindung von Gegensätzlichkeiten kann ich mein Wohlwollen mir und jedem anderen Wesen gegenüber leben und mich und andere, in all unserer Widersprüchlichkeit, sein lassen.
Den Luxus des theoretischen Diskurs, dem ich zeitweise, auch hier fröne, leiste ich mir in konkreten brennenden Situationen nur selten. Beispiele: Ich pfeife auf philosophische, weltanschauliche oder sonstige Hintergründe wenn es darum geht, hier und jetzt das Überleben dieser und dieser und dieser Person zu sichern. Dann ist es mir egal, ob wir uns in anderen Bereichen streiten, missverstehen oder sonst was. Ob der Fahrer des LKWs in den Kosovo dieser oder jener Anschauung anhängt, tritt in den Hintergrund. Was zählt ist: kann er fahren, ist er zuverlässig, steht er es durch? Oder wenn es um die Verhinderung einer Abschiebung geht: wenn interessiert es, ob wir in Bezug auf stadtplanerische Fragen oder Ähnliches im Clinche liegen? Jetzt zählt nur: sie steht hier mit mir vor dem Petitionsausschuss mit der gleichen konkreten Zielsetzung. Und letztendlich interessiert auch nicht, ob die Person, die hier neben mir mit eigenen Händen ein Erdbebenopfer lebend aus den Trümmern ausgräbt, später den Medienrummel für eigene Zwecke bezüglich Selbst-Vermarktung benutzt.
Letztendlich und absolut pragmatisch ist es demjenigen, der sich gerade selbst nicht helfen kann, völlig und mit allem Recht der Welt wurstepiepegal warum, weshalb, wieso und durch welchen theoretischen Diskurs auch immer ummantelt, diese Hand sich im entgegen streckt. Die Hand ist da und das ist das Einzige was zählt. Punkt.
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