Arbeits- und Diskussionsblog



„Jeder Mensch hat das Recht zwischen einer Vielfalt von gleichwertigen Lebens- und Beziehungsmodellen frei und eigenverantwortlich für sich wählen zu können.
Aus dieser Wahl dürfen weder ihm noch einem anderen Menschen gravierende psychische, soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder sonstige Vor- oder Nachteile entstehen."




Kommunikation über die eigene Sexualität ist immer noch ein Tabu.

 


Tabu -> Bedeutung: Etwas, über das nicht gesprochen werden darf. Ein aus vermeintlichem Anstand oder bestimmten kulturell verbindlichen allgemeinen Anschauungen heraus gültiges Verbot, ohne als solches explizit ausgesprochen worden zu sein. 

Herkunft: aus französisch tabou, englisch taboo aus polynesisch tapu „geweiht, unberührbar“


Aufgrund meiner Erfahrung als Sexualtherapeutin kann ich nur feststellen: Trotz steigender öffentlicher Sexualisierung der Gesellschaft ist das wohlwollende Sprechen über die eigene Sexualität immer noch mit Wortlosigkeit (im Sinne von keine Wörter dafür finden) und Scham verbunden.

Neu ist, und dies hat viel mit der virtuellen Welt zu tun, dass in entsprechenden "Szenen" anscheinend sehr offen über Sexualität gesprochen wird. Ich schreibe mit Absicht "anscheinend", weil dies oft durch Entpersonalisierung geschieht oder die Sprachlosigkeit mit schamlos klingenden Begriffen übertüncht wird. Wörter zu benutzen wie "ficken", "Schwanz", "Fotze", etc. sagt jedoch nichts, aber auch gar nichts darüber aus, ob jemand freudig und locker über die eigene! Sexualität kommunizieren kann. Oft ist eher das Gegenteil der Fall.
Die Antworten auf ein Warum sind vielschichtig und an diesem Ort nicht in all ihrer Widersprüchlichkeit und in aller Ausführlichkeit darzustellen. Wichtig erscheint mir jedoch der Ansatz, dass das eigene Wissen um Gefühle, Sexualität, Sinnlichkeiten, etc. geringer zu werden scheint im Vergleich zu der steigenden unübersichtlichen Flut von Informationen zu diesen Themen. Diese Informationsflut und das subjektiv daraus abgeleitete gesellschaftlich geförderte individuelle Leistungsdenken/ und die geforderte Übernahme einer Ich-Verantwortung machen ein offenes Kommunizieren dem Einzelnen oft sehr schwer. (Angst als Versager, Looser, etc. da zu stehen).

Ein weiterer Aspekt der verhinderten Kommunikation ist der der eigenen Sexualität innewohnende/zugehörige Egoismus: Es geht um meine Befriedigung. Dass diese in der Regel gekoppelt sein kann an die Befriedigung meines Gegenübers ist nett, aber nicht kausale Notwendigkeit. Letztendlich ist Sexualität der reinste Ich bezogene Akt überhaupt. Da jetzt aber im gesellschaftlichen wertenden Verständnis Sexualität mit Liebe verknüpft ist/sein soll und diese zwar eine bedingte aber eben doch auch romantisch verklärte ist, erschwert die eigene locker lachende befriedigende Berichterstattung sehr.
Dass das selbstverständliche und offene Sprechen über die eigene Sexualität immer noch ein Tabu ist, erstaunt mich jeden Tag aufs Neue in meiner Arbeit und auch bei der Präsentation meiner Bücher. Wie gesagt, es ist vielschichtig, widersprüchlich und wie immer auch eine Frage der individuell determinierenden inneren Faktoren ... und ich will hier ja keinen Vortrag halten.

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